Kegelrobben auf Helgoland


Einige treue Readers wussten von meinem Traum: auf Helgoland Robbenbabies zu fotografieren. Dieser Traum schlummerte doch eine geraume Zeit in mir.

Nun, dieser Traum ist leider nur ansatzsweise wahr geworden. Lange habe ich diesen Trip vorbereitet. Ich musste Reserve-Freitage einräumen, im Falle dass die Fähre nicht fährt oder die Zugführer streiken etc.

Dann war es endlich soweit, am 3. Dezember bestieg ich den ICE von Zürich nach Hamburg. Bereits während der Fahrt bemerkte ich einen dumpfen Schmerz im Kreuz. Oh oh, habe ich mir einen leichten Hexenschuss geholt? Die Schmerzen intensivierten sich zusehends. Ich überlegte mir ob ich gleich in Hamburg zurückfahren sollte. Aber da ich öfters einen Bandscheibenvorfall habe, dachte ich, ach kommt, mit den richtigen Medikamenten bist du schnell wieder fit. In Hamburg stürmte ich die Apotheke, alles was ich ohne Rezept kriegen konnte. Doch es zeigte sich nicht ein Hauch von Besserung. Ich blieb wie geplant, eine Nacht in Cuxhaven. Erneut dachte ich daran nach Hause zu fahren. Aber eine Zugfahrt von 10 Stunden wäre undenkbar gewesen. Früh morgens hatte ich einen Arzttermin, notfallmässig. Opiate und Cortison helfen mir in dieser Situation normalerweise  schlagartig. ( Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja nicht was wirklich im Rücken los war. Ich fing an, gleich eine riesen Chemiekeule zu schlucken. Dann ab auf die Fähre. Da ich bereits nicht mehr sitzen konnte, musste ich während der Überfahrt nach Helgoland stehen.

Auf Helgoland angekommen, war ich fix und fertig. Liebend gerne wäre ich einfach ins Bett gegangen, aber liegen ging ja auch nicht wirklich. Vor lauter Schmerzen hatte ich auch keinen Hunger. Das Beste war noch, quer auf’s Bett zu liegen und die Beine aufstellen.

Nun, Freitag war das Wetter erneut schlecht. Kalte Bise und Nieselregen. Am Samstag schien die Sonne. Mir ging es aber überhaupt nicht besser. Im Gegenteil, es fing an ins Bein auszustrahlen, respektive, man spricht von Reiterhose Effekt.

Das Angenehmste war eigentlich, ganz leichtes gehen mit Mini-Schritten. So beschloss ich, doch mal auf die Düne zu gehen. Aber mein Herz blutete. Ich liess quasi das ganze Equipment im Hotel zurück. Meine Nikon mit den 600 mm mussten genügen. Das kleine Boot beförderte uns innert 10 Minuten auf die Düne.

Dort dann doch etwas Highlight. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits 150 neugeborene Kegelrobben. Dazu natürlich ihre Mütter, dutzende Bullen und noch die Kegelrobben, im letzten Jahr geboren und die Kühe welche noch trächtig waren. Diese Menge  war auf bloss 0.7 Quadratkilometer verteilt.

Mir schwabbte das Herz beinahe über. Da lagen die weissen, flauschigen Fellknäuel. Entweder mit der Mutter zusammen oder ganz alleine weil die Mutter gerade im Meer am jagen war.

Da wurde gesäugt, gerade geboren, Bullen kämpften um die Gunst der Kühe oder Territorium oder es wurde gleich wieder gepaart. Kurz nach der Geburt sind die Kühe wieder bereit.

Natürlich waren die Kleinen niedlich mit Jööö Effekt. Aber es war auch unheimlich schön, dem ganzen Treiben zuzugucken. Weiter vorne hatte es noch diverse Wasservögel.

Aber eben, ich konnte mich weder in den Sand setzen oder gar liegen um zu fotografieren, noch konnte ich ein Stativ benützen. Es gab einen herrlichen Sonnenuntergang. Wie toll wäre es gewesen mit Filtern zu arbeiten.

Ich denke dass ich vor lauter Glücksgefühl Endorphine ausgeschüttet habe und die Schmerzen weniger spürte. Doch sie waren da. Meine Enttäuschung war riesengross. Nebst den unsagbaren Schmerzen die selbst mit Opiaten nicht zu lindern waren, war der Frust da, dass ich alles nicht geniessen konnte.  Am anderen Tag mussten wir früher als geplant abreisen. Sturmwarnung war angesagt. Wer also von der Insel wollte, musste sich früh auf die Landungsbrücke machen.

Erneut blieb ich eine Nacht in Cuxhaven. Dank einem Apotheker in Hamburg war ich fähig die Rückreise anzutreten. Ich blieb beihnahe 8 Stunden in gleicher Position.  Zu Hause dann gleich MRI, mit Diagnose: ein Bandscheibenabriss. Das Sequester steckte im Wirbelkanal und drückte herrlich auf den Nerv. Eine Infiltration schaffte etwas Linderung.

Ich denke ihr könnt verstehen wie frustriert ich war. Ich meine, nebst den Schmerzen. Da freut man sich so gewaltig und kann dann nicht…

Gott sei Dank ist Helgoland nicht von der Landkarte verschwunden. Und die Robben kommen bestimmt wieder. Und ich gehe bestimmt wieder hin. Das nächste Mal möchte ich den Urlaub auch geniessen! Ich möchte mich auch noch bei all den netten Leuten bedanken die mir so viel geholfen haben: vom Schuhe anziehen bis Koffer packen, Frühstück auf’s Zimmer bringen und und und….

Hier noch ein paar Tipps:

Jahreszeit für die Robben: Mitte-Ende November bis Januar. Der Dezember ist eine gute Zeit zumal es auch vorweihnachtlich zu und her geht.

Kleidung: ich bin bestens gefahren mit einer Snowboard-Hose, darunter eine Thermoleggins. Rollekragenpullover mit Thermounterwäsche. Winter Trekkingschuhe mit Trekkingsocken. Und natürlich  Fotografenhandschuhe und Mütze.

Equipment: Die Regel lautet: 30 Meter Abstand zum Tier ! Natürlich würden oft 400 mm reichen. Aber da es auch noch viele tolle Vögel gibt, etwas mehr Zoom ist von Vorteil. Festbrennweite kann in einigen Situationen gut sein, aber oft auch nicht. Es kann sein dass ein Baby sehr nahe hinter dem Reisigzaun liegt und man kann nicht weiter zurück weil ev. hinter einem ein Bulle ist. Also Zoom finde ich persönlich doch vorteilhafter.

Dann sollte natürlich eine normale Linse mit für so Detailaufnahmen auf Helgoland und der Düne. Und ein Weitwinkel für die schöne Landschaft sollte nicht fehlen. Haben wir doch noch die traumhaft schöne lange Anna auf Helgoland. Ein Stativ sollte mit und wer gerne noch mit Filtern arbeitet: ND Filter ein Muss.  Wenn ein Baby, Kuh oder Bulle so ruhig dort liegt, kann man natürlich Blendenvorwahl nehmen. Aber es gibt viele Situationen, da muss man die Zeit wählen, und dies nicht zu knapp. Eine Paarung oder ein Bullenkampf erfordert dann doch eine Zeit bis zu 1000. Was man auch beachten muss: wenn man morgens grelle Sonne hat, eine leichte Belichtungskorrektur ins Minus anstreben. Sonst versäuft das Weiss von Babies die ganz Weiss sind, komplett.

Da es regnen könnte sollte man Regenschutz für einem selber und Kamera mit dabei haben.

Schöne Bilder gibt es wenn man sich flach hinlegt und Aug in Aug fotografieren kann. Macht man dies nur kurze Zeit, reicht ein alter Plastik für den Boden. Will man länger in Position harren, ist eine Iso Matte von Vorteil.

Es hat ja einen Mini Flugplatz auf der Düne da kein Flugzeug auf Helgoland landen könnte. Dort gibt es ein Restaurant mit Toilette. Ansonsten rate ich, ev. eine Thermoskanne mit Tee mitnehmen und eine Kleinigkeit zu essen.

Es ist ausgeschildert, von welchem Hafen das Boot zur Düne fährt, bitte beachten. Und man sollte auch die letzte Rückfahrt nicht verpassen 😉

Mein wichtigestes Anliegen:

Bitte die Regeln einhalten damit man die Tiere nicht stresst. Der meiste Stress hat die Kuh wenn sich Leute näher als 30 Meter nähern. Oder wenn man ihr den Weg versperrt wenn sie vom Meer zurück zum Baby will.

Man soll auf die Zeichen der Mutter achten. Oft hebt sie kurz den Kopf, checkt die Situation und schläft weiter wenn es für sie in Ordnung ist. Fängt sie aber an zu reklamieren, bitte mehr Abstand halten.

Es gibt offenbar so doofe Leute die ein Baby streicheln wollten. Das ist ein absolutes NO GO !! Die Mutter verstösst danach ihr Baby wegen dem Fremdgeruch.

Anreise: Entweder mit dem Schiff oder dem kleine Flugzeug auf die Düne und dann rüber schippern. Es gibt FotografenPakete. Infos bei Tourismus Helogland.

Eine Annulationsversicherung drängt sich auf. Es kann sein dass die Fähre wegen Sturm für einige Zeit nicht hinfährt oder gar nicht zurück. Man darf auch nicht enttäuscht sein wenn es nur regnet und man muss sich bewusst sein, das Wetter ist zu dieser Zeit nicht so komfortabel.

Hier natürlich ein paar Bilder. Und wie gesagt, nur mit abgespecktem Equipment.

Baby_05

gerade geboren

Baby_02

herrliche Morgensonne

Baby_06

Baby_08

etwas auf die Robbe gekommen 😉

Bulle_02

is was ?

Bulle_01

Bulle

Bulle_05

Cow_01

Kuh

Cow_02

Seal-family_01

Seal's-love_01zarte Annäherung

Seals's-love_02

und dann bald in Extase 😉

hätte dann noch ein Bild, leider nicht so ganz jugendfrei 😉

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6 Kommentare

  1. Hallo Thee!
    Was hab ich auf diese Bilder gewartet. So habe ich die Düne noch nicht kennen gelernt. Was für süße Fellknäuel! Traurig, daß es dich rückentechnisch so ausgeknockt hat, aber auch das „abgespeckte“ Bildmaterial ist doch klasse! Schön, daß es dir trotzdem dort gefallen hat. Die kleine Schlummerrobbe in Bild 4 ist mein Favorit. Großer Kuschelfaktor. 🙂 Mir gefällt auch das Licht in den Aufnahmen ganz besonders gut. Das ist auch ein Vorteil der Winterzeit. Man muß nicht allzu früh hoch und abends ist es eher dunkel. Wenn ich im Sommer dort bin, dauert es mir oft zu lange, bis sich das gute Licht zeigt. Mal schauen, ich plane jetzt evtl. auf den April. Kann zwar auch wettertechnisch in die Hose gehen, aber das ist mir dann auch schnurz. 🙂
    LG kiki

  2. Hallo Thee,
    erst einmal wie geht es Dir denn jetzt?? Ich hoffe da ist kein bleibender Schaden in Deinem Rücken!
    Die Bilder sind allesamt sehr schön wobei das erste und das vierte meine Favoriten sind. Schade dass Du nicht Dein ganzes Programm durchziehen konntest.
    Liebe Grüsse,
    Gilles

    • Hi Gilles,
      nun, mein Rücken ist noch nicht gut. Bei den Wirbeln selber dumpfer Schmerz. Mühsamer ist der radikuläre Schmerz in den Oberschenkel. Ich bin an der Dosis von Gabapentine reduzieren. Das Zeug ist sehr gut, aber die Nebenwirkungen sind nicht so toll. Aber ich lebe😀 ich kann wieder für unser Projekt fotografieren. Da ist alles eben und mit meinem Eckla Rolly geht das prima. Wildere Fotografie geht noch nicht. Aber ich bin ja schon mal happy dass ein bisschen geht. Was die Robben angeht, happy für ein paar Bilder und nächstes Mal mit voller Kraft und Genuss.

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