Whale Watching für Fotografen


Eine kurze Erklärung für die Leser die nicht wissen was genau man unter Whale Watching versteht. Seit einiger Zeit kann man an diversen Orten auf der Welt Wale beobachten. Kleinere Kompanien haben sich darauf spezialisiert. Sie bieten Touren an mit verschiedenen Bootsgrössen. Die Boote sind mittels Funk miteinander verbunden. So gibt ein Kapitän oder Skipper Bescheid wenn er Tiere gesichtet hat. Die Boote fahren dann in diese Richtung und man kann den Walen zusehen.

Es gibt Regeln die alle Schiffs-und Bootsführer einhalten sollten. Leider ist es international noch keine Verpflichtung 😦 Und leider gibt es diverse schwarze Schafe unter den Anbietern. Die sehen nur den Kommerz und halten daher Regeln nicht ein.

Einige Regeln sind: Wenn Wale gesichtet werden, Geschwindigkeit drosseln. Sich nicht näher als 100 Meter nähern ! Entweder von hinten oder von vorne nähern. Nicht länger als 30 Minuten am eine Gruppe kurven, damit der Andrang der Boote beschränkt bleibt. Nicht mehr als 3 Boote gleichzeitig. Nie eine Gruppe trennen indem man durch die Gruppe fährt. Für Mutter mit Kalb gilt es, speziell sorgsam umzugehen. Logischerweise gilt auch hier: nicht füttern ! Und bitte nicht auf die Idee kommen, ins Wasser zu gehen und mit ihnen zu schwimmen. Das Selbe gilt natürlich auf für Seelöwen, Seehunde und Delphine.

Einige Anbieter schreiben : Geldrückgarantie wenn man keinen Wal sieht. Das ist oft unseriös. Erstens bekommt man keinen Cash zurück sondern einen Gutschein für den nächsten Tag und zweitens birgt sich hier die Gefahr dass sie sich nicht an Richtlinien halten. Natürlich möchte man Tiere sehen, ist ja logisch. Aber in der Natur gibt es keine Garantie. Was man machen kann ist, vorher fragen ob auf den vorgängigen Touren gesichtet wurden. Meistens halten sich die Tiere eine Weile am selben Ort auf.

Bis anhin war ich nur in Canada. Ich kann also hier 2 Orte empfehlen. Zu einem ist dies Brier Island, Nova Scotia. Von Digby aus hat es eine schmale, langgezogene Peninsula in den Atlantik heraus, angrenzend an die Bay of Fundy.  Die Bay of Fundy ist bei Walen sehr beliebt wegen des Futters.

Und der andere Ort wo ich auch schon öfters war ist: Tadoussac. Tadoussac liegt in der Provinz Quebec am St. Lawrence River. Nun fragt ihr euch: he ? an einem Fluss ? Der wahnsinnige Power der  Gezeiten vom Atlantic her, pressen das Wasser weit den Fluss hinauf. Bei Tadoussac gibt es einen Meeres-Naturschutzpark. Dort dürfen keine Schiffe passieren und es ist verboten zu fischen. Von dort geht man auch in das Fjord Saguenay hinein wo es ebenfalls Wale gibt, inkl. Belugas. Die Kapitäne und Skipper sind äusserst bewandert und geben gut Auskunft und halten sich an die Richtlinien. Man muss eine Fähre benützen um über die Fjordenge nach Tadoussac zu gelangen. Die ist gratis und oft sieht man schon auf der kurzen Ueberfahrt Wale. Oder man setzt sich ans Ufer und sieht Wale vorbeiziehen. Wenn man abends ans Ufer geht und es dunkel ist, hört man sie blasen.

Auf welches Boot geht man am Besten?

Nun, fangen wir beim Zodiac an. Das ist ein Schlauchboot und bietet ca. für 8 Personen Platz. Man kann entweder in der Mitte sitzen oder auf dem Rand und sich an Seilen festhalten. Der Vorteil: es ist äusserst wendig, man ist sehr nahe bei den Tieren wenn die Tiere freiwillig zum Boot hinschwimmen. Es ist sehr schnell. Man kann auch gut und schnell die Seiten wechseln da die Wale oft unter dem Boot durchschwimmen. Nachteil: Für Leute mit Rücken-oder Nackenproblemen ist es verboten. Die Schläge von den Wellen sind zu stark ! Oder für Leute mit Seekrankheit auch ungeignet. Zum Fotografieren eine Herausforderung da es enorm schwank. Während der Fahrt sitzt man. Hält der Skipper an wenn man Wale sieht, kann man aufstehen, muss aber eine gute Balance haben. Man trägt einen Ueberlebensanzug . Man ist dem Wetter voll und ganz ausgesetzt ,es hat keine Toilette an Bord und natürlich keinen Kaffeeservice 🙂

Inzwischen gibt es auch Zodiacs die etwas grösser sind und mehr Platz bieten. Bei diesen Booten sind die Schläge etwas geringer . Man trägt einen Ueberlebensanzug. Man ist auch hier dem Wetter ausgesetzt und natürlich auch keine Toilette an Bord.
Dann gibt es die groosen Boote oder Schiffe. Der Vorteil, keine Schläge auf den Rücken, man hat vielleicht die bessere Aussicht um Tiere in der Ferne zu sehen, wenn das Wetter nicht so gut ist oder kalt ist kann man an die Wärme gehen. Es gibt Snacks und Getränke an Bord. Zum Fotografieren etwas komfortabler da stabiler und man gut Linsen wechseln und Filter ansetzen oder wegnehmen.

Nachteil: es ist nicht so wendig. Wenn man auf einer Seite ist und jemand schreit: hier ist ein Wal und man auf die andere Seite gehen muss hat man ev. keinen guten Platz um zu fotografieren.

Wir fahren immer nur mit dem kleinen Zodiac hinaus. Oft werde ich gefragt ob ich keine Angst habe. Also, erstens sind die Wale den Menschen gut gesinnt. Sie würden nie ein Boot attackieren. Natürlich, ein grösserer Wal müsste nur einmal mit der Fluke etwas spielen und würde das Boot zum kentern bringen. Aber ich habe noch nie von solch einem Unfall gehört.

Tipps für Fotografen: nun, generell benötigt man natürlich ein Tele und einen guten Autofocus. Aber oft  ist es frustrierend, man hat das Tele drauf und die Wale kommen so nahe ans Boot dass man ein Weitwinkel benötigt. Objektive wechseln, natürlich geht das wenn man absitzt aber bis man gewechselt hat ist der Wal wieder weg 🙂 Ideal wäre natürlich ein Allrounder Objektiv von Weitwinkel bis ca. 300 Meter. Das ist meistens nicht optimalste Qualität aber man ist in jeder Situation bereit. Oder man hängt sich zwei Cams um, eine mit Tele und eine mit Weitwinkel.

Filter: nun, das ist auch so eine Sache. Oft benötigt man einen Polfilter, doch im nächsten Moment wieder nicht. Und eben, vielleicht verpasst man dann gerade ein Tier. Im Zodiac ist man dem Tier sehr nahe aber eben, ein VRII ist von Vorteil.  Auf dem Zodic sollte man auch einen Schutz für die Cam mitnehmen. Die kann man kaufen ( Regenschutz ) oder selber aus einer Plastiktüte basteln. Dann sollte man griffbereit Optiktücher bereit haben um Wasserspritzer wegzuwischen.

Ein 3 stündiges Whale watching empfinde ich anstrengender als 3 h im Studio shooten 🙂 Aber es ist traumhaft ! Es geht so eine Mystik um wenn die Tiere so nahe kommen. Man wird so richtig ehrfürchtig.

Diesen August war ich in Brier Island und Tadoussac. Wir haben Buckelwale gesehen und den Blauwal und natürlich Seehunde. Natürlich passierte mir genau dies: Oft waren die Tiere zu nahe und mit meiner Linse: 70-300 gab es dann unschärfe Bilder. Zudem war mein Autofocus wieder mal langsam. Wenn der Wal in Position ging zum tauchen, bis ich focussiert habe war er mit dem Schwanz schon fast wieder unten. Und es gab deftige Meerwasserergüsse, sehr unerwartet und ich musste meine Augen reinigen und dann die Linse.

Trotzdem hier ein paar Bilder. Ihr seht die verschiedenen Boote und natürlich Wale.

Zodiac Boot für Whale Watching

Kleines Zodiac Boot

Zodiac Boot etwas grösser

grösseres Zodiac ( Wal war für mich natürlich viel zu nahe 😦  )

Whale watching Schiff

Whale Watching Schiff

Buckewal im St. Lawrence River

Buckewal im St. Lawrence River

Buckewal taucht ab

Tauchgang, die Knubbel am Schwanz sind Seepocken

Buckelwalmutter mit ihrem Kalb

Eine Buckelwalmutter mit ihrem Kalb folgte uns ca. 30 Minuten lang

Walgruppe

hier ist die Mutter und eine Tante aus der Gruppe zu sehen. Oft schwimmen sie synchron.

Wal, nahe am Boot

Wal ist aufgetaucht und beobachtete uns

Der blaue Wal

Dies zeigt die typische Problematik der Linse: 70-300, am rechten Bildrand würde es noch etwas weitergehen bis Kopfende. Beim linken Bildrand sehen wir erst die Rückenfinne. Danach geht es noch ein ziemliches Stück bis Schwanzende 🙂 Ein Weitwinkel wäre prima gewesen.

Blas eines Blauwals im St. Lawrence River, Province Quebec, Canada

Dies ist ein typischer Blas eines Blauwals. Man erkennt ihn von weitem an der Höhe. Der Blauwal gehört zu den Bartenwalen welche 2 Blaslöcher haben. Die Fontäne schiesst gute 12 Meter in die Höhe. Den Blas identifiziert man nicht nur an der Höhe, sonder der Blas des Blauwals ist auch kompakter und daher weisser.

P.S. noch ein privater Tip. Wenn man ein gutes Reisebudget hat lohnt es sich, die Cam mal im Hotel zu lassen und nur so rauszufahren und einfach geniessen.

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