Fotografie im Buddhismus


 

Diese Frage beschäftigt mich seit einer Weile. Ich bin nicht nur eine „Knipserin „ sondern beschäftige mich immer wieder mit philosophischen Aspekten in der Fotografie.

Wie sich diese Frage in meinen Gedanken aufdrängte ? Nun, ich beschäftige mich generell mit den Weltreligionen. Daher kenne ich einige Prinzipien des Buddhismus. Mein Wissen ist aber eher kärglich. Um mich in diese Thematik vertiefen zu können, durfte ich die Gastfreundschaft des Lama Tenzin in Anspruch nehmen. Ich möchte mich nochmals herzlich für den spirituellen, philosophischen Nachmittag bedanken.

So purzelten meine Gedanken in meinem Hirn umher: die Fotografie hält fest, will verewigen.  Viele Ideen entstehen im Kopf eines Fotografen. Man fokussiert sich auf eine Dramaturgie für ein Shooting, man bereitet sich vor für eine ultimativ, grossartige Aufnahme. Man arrangiert und tut alles zur Perfektion. Man zieht los um zu fotografieren, der Geist voll beladen. Oft stellt man sich das Foto schon im Geiste vor. Oft steckt auch Kalkül dahinter.  Na, erkennen sich Einige in dieser Aussage ? J Nur zum beruhigen, daran ist überhaupt nichts verwerfliches.

Der Buddhismus hingegen steht für  Loslassen, die Vergänglichkeit, nichts ist für ewig, alles ist immer im Wandel. Wie kann dann die Fotografie trotzdem einen Platz darin einnehmen ? Mein erster Gedanke war: somit hat die Fotografie im Buddhismus nichts zu suchen. Doch ich bin eines Besseren belehrt worden.

Fotografie und Buddhismus lassen sich wohl vereinbaren. Nur der Weg zum Bild ist verschieden.

Wenn man im buddhistischen Sinn fotografieren will sollte der Geist frei sein, quasi ein blanker Geist.  Dies ist aber nicht negativ, sondern öffnet für den spirituellen Blick. Losgelöst von Vorstellungen guckt der Fotograf durch den Sucher und entdeckt die Tiefe eines Momentes. Natürlich beinhaltet der blanke Geist auch das Loslassen von unseren Sorgen und Nöten im Alltag.

Das kann dann in der Praxis etwa so ausschauen. Der „westliche“ Fotograf ist draussen in der Natur und schaut durch seinen Sucher. Es hat einen See mit einer Schilflandschaft.  So könnte nun ein Bild folgendermassen ausschauen:  der Fotograf überlegt welchen Ausschnitt er wählt damit der See umrandet vom Schilf bestens zur Geltung kommt. Er wählt bewusst die Tageszeit mit dem besten Licht. Er versucht ein optimales Gesamtpaket zu arrangieren. ( Ev. hat er sich schon einige Tage darauf vorbereitet und sah vor dem geistigen Auge bereits das fertige Foto.) Das gilt doch für Alles, sei es man geht in den Zoo, auf eine Safari, Eisberge, Nordlicht etc. zu fotografieren.

Im Buddhismus hingegen  zieht der Fotograf los ohne Vorstellung, Voreinnahme etc. . Er schaut durch den Sucher und entdeckt ungeahnte Schönheit.  Dadurch dass der Geist blank ist, ist er völlig offen und achtsam und der Fotograf erreicht eine grössere Intensität um wahrzunehmen.  Er findet eine kreative Ruhe und tiefste Zufriedenheit.  Dabei sollte er sich dann wiederum nicht von der Technik ablenken lassen und ständig rumschrauben für „Den perfekten Schuss“ So ist es ratsam wenn man seine Kamera im Griff hat J

Im Buddhismus fotografiert man eher schlicht. Aber gerade in dieser Schlichtheit bekommt das Wesentliche mehr Kraft.

Doch auch die Konzentration, das  Fokussieren kann durchaus Positives bewirken.

Es kann durchaus passieren, dass ein Fotograf in Meditation verfällt indem er sich stark konzentriert und den Rest der Welt, alles um sich herum vergisst.  Man könnte es so bezeichnen, der Fotograf, die Kamera und das Sujet werden zu einer Einheit.  Und es kann durchaus sein, dass nun viele Leser einen Flash haben und sagen, ist mir doch schon oft passiert.

Ich denke jedem „westlichen Fotografen“ schadet es nicht, mal wieder mit etwas östlichem Spirit loszuziehen, man muss ja nicht gleich konvertieren.

Carried by the wind

Mit dem Wind getragen und hängen geblieben

Nature’s crafts

Der Stein erzählt eine Geschichte

Smoke on the water

Wolken spiegeln sich im Wasser

Tranquility

Sie halten die Welle auf und es wird ruhig

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Kategorien:Fotografie philosophischSchlagwörter:, , ,

2 Kommentare

  1. Das isch doch mal glunge wenn nur alles so im Einklang wäri! 🙂

  2. Ein sehr schöner Beitrag der zum Nachdenken anregt.
    Ich suche auch abseits der Technik (Kamera, Gestaltung, Verarbeitung usw.) nach weiteren Elementen welche die Fotoarbeiten beeinflussen. Eine der wichtigsten Erkentnisse dabei ist, man soll sich Zeit nehmen. Wenn man hastig nach Motiven sucht und versucht möglichst viele Bilder zu ‚produzieren‘, dann geht es oft schief. Mann sollte sich viel Zeit nehmen bevor man überhaupt das erste Mal abdrückt. Leider funktioniert das nicht immer. Ich war mal auf Fototour und nahm mir genau das zum Ziel. Zeit nehmen, beobachten und erst dann abdrücken. So verbrachte ich eine Stunde an einem Bach und ich betrachtete ein halb versunkenes Bierfässchen. Erst nach langer Zeit begann ich das Motiv einzufangen. Und ich denke es hatte funktioniert.

    Übrigens macht Dionys Moser auch fantastische Aufnahmen von Mönchen in Myanmar: http://www.fotoreisen.ch/4images/categories.php?cat_id=50&page=3

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